Hairtivity Ratgeber – unerwünschte Farbstiche vermeiden

Die Sonne lässt sich immer öfters blicken, der Grill wurde schon eingeheizt und die Bikinifigur im Spiegel genaustens geprüft. Das kann nur eines heissen: Der Sommer naht!
Für mich als Coiffeursalon Besitzerin heisst das, meine Blondierungs- und Hellfärbungsprodukte aufzustocken, denn im Sommer wollen alle eines sein: Blond, blond und nochmals BLOND!

Meine ganz persönliche Artikel-Serie für dich heisst “Hairtivity Ratgeber”. Das letzte Mal erzählte ich dir alles, was du über die Trendfrisur Pony wissen musst und auch, wie du notfalls deinen Pony Zuhause selbst schneiden kannst. In diesem Artikel dreht sich, wie du vorhin schon sicherlich festgestellt hast, alles um Blonde Haare. Jedoch keines Falls darum, wie du deine Haare selbst Zuhause blondieren kannst, sondern eher darum, wieso du es nicht tun solltest bzw was mit den Haaren genau passiert, wenn diese Blondiert werden und wie du sie so ungewollt zerstören könntest.
Auf geht’s in Runde 2 des Hairtivity Ratgebers – der “im-Sommer-möchte-ich-möglichst-helle-Haare-Ratgeber”.

Es gibt zwei verschiedene Produktoptionen, den Wunsch von blonden Haaren zu verwirklichen. Zum einen wäre da die Hellerfärbung und zum anderen die Blondierung, aber was ist der Unterschied?

Bei der Hellerfärbung handelt es sich um eine Oxidative Haarfärbung, sozusagen eine herkömmliche permanente Haarfarbe. Damit kann deine Wunschfarbe bis zu 4 Töne heller werden als deine Ausgangsfarbe. Diese Art hellere Haare zu bekommen ist zwar schonender fürs Haar als eine Blondierung, kann aber nur auf naturbelassenen Haar, sprich; Haare die noch nie farblich verändert wurden, angewendet werden.

Die Blondierung ist die intensivste Form der Aufhellung. Anders als bei der Hellerfärbung können mit einer Blondierung auch künstliche Farbpigmente aufgehellt werden. Ebenfalls kann je nach Haarstruktur mehr als 4 Töne aufgehellt werden.

Heutzutage kommt die Blondierung einiges mehr zum Einsatz als eine oxidative Hellerfärbung, da der grösste Teil der “Ich-will-blond-werden-Kundinnen” schon gefärbte Haare haben oder ein umso helleres Ergebnis erzielen wollen.
Wenn du jetzt trotz obenstehender Warnung “du könntest deine Haare so zerstören, wenn du es Zuhause selbst machst!” noch immer zum Supermarkt rennen möchtest, um dir eine Blondierung für Zuhause zu kaufen, dann möchte ich dir jetzt ganz genau erklären, dass das mit DER ZERSTÖRUNG ernst gemeint ist und du besser einen Termin bei einem Friseur vereinbaren solltest.

Mit DER ZERSTÖRUNG (ich kann es nur nochmals sagen, ZERSTÖRUNG!!!) ist nicht nur gemeint, dass dir deine Haare abbrechen oder trocken werden können, sondern auch ungewünschte Resultate wie Orange-, Gelb- oder sogar Grünstiche entstehen können.

Ich muss dich aber vorwarnen, für dies sind einige Coiffeur-Fachwörter nötig, um dir das genau erklären zu können. Die Kurzfassung der “du-solltest-deine-Haare-nicht-selbst-Blondieren” lautet:

Ein unerwünschter Farbton kann verschiedenste Gründe haben. Oft hat es mit der Ausgangsfarbe zu tun. Um eine Haarfarbe zu bestimmen redet man zum einen von der Farbtiefe, welche bestimmt wie dunkel eine Haarfarbe ist, zum Beispiel: Blond oder Braun. Zum anderen redet man von der Farbrichtung, welche bestimmt ob die Farbe eher kühl, warm, rot, etc. ist. Wenn also deine Haarfarbe braun ist und eine rote Farbrichtung beinhaltet, kann es passieren, dass deine Haare orange werden können, weil der rote Unterton deiner Haare zu hartnäckig ist. Wenn wir bei diesem Beispiel mit den braunen Haaren mit rotem Unterton bleiben, könnte ein nächster Grund sein, dass die falsche Stärke der Blondiermischung auch zu einem Gelbstich oder gar zu einer orange Haarfarbe führen kann. Nicht selten kommt es vor, dass man zu einer möglichst starken Mischung greift, weil man sich denkt: “desto stärker, desto heller wird es”, was bei der Blondierung leider nur teilweise zutrifft.

Wie schon erwähnt gibt es die Farbtiefe und die Farbrichtung. Für die Blondiermischung ist es einfacher die Farbtiefe als erstes zu entziehen, was heisst: dein Haar wird heller. Für die Farbrichtung braucht es jedoch etwas mehr Zeit. Eine mildere Mischung der Blondierung sorgt dafür, dass Farbtiefe und Farbrichtung möglichst gleichzeitig entzogen werden. Bei einer zu starken Mischung ist es so, dass deine Haare zwar schnell hell werden, die Blondierung jedoch nicht mehr Zeit dazu hat, um den Rotstich zu korrigieren, ansonsten würden die Haare brechen, was heisst: deine Haare werden Orange. Und so kommen wir zurück zum Thema; Selbstversuch. Denn leider ist es sehr oft so, dass die Blondierungen von Supermärkten viel zu stark für das Haar sind, weil sie garantieren müssen, dass das Haar hell wird.

Wenn du im Detail erfahren möchtest, was genau passiert, kannst du es mit einem Klick auf “Show” nachlesen:

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Ein unerwünschter Farbton kann verschiedenste Gründe haben. In den meisten Fällen hat es mit der Ausgangsfarbe zu tun. Wenn du zum Beispiel eine rote Haarfarbe hast und die aufhellst, kann es sein, dass deine Haare einen Gelbstich bekommen oder sogar Orange werden. Bei einer blauen Farbe hingegen ist ein Grünstich nicht selten. Doch was ist mit Brauntönen oder Schwarz, die nicht offensichtlich rot oder blau sind? Bei diesen Farben muss man ganz genau hinschauen, ob es sich um eine warme Farbe oder um eine kühle Farbe handelt. Bei helleren Farben ist dies meistens einfacher festzustellen als bei dunklen Brauntönen oder besonders Schwarztönen. Denn fast jede Haarfarbe hat irgend eine basierende Farbrichtung ( auch Nuance genannt) als Unterton. So kann eine Schwarze Haarfarbe die für das Auge pechschwarz erscheint, die Farben wie rot, violett, blau oder grün beinhalten. Doch die Nuance ist nicht der einzige Grund, wieso das Haar eine unerwünschte Farbe bekommt. Ein weiterer Punkt ist die Mischung des Blondierpräparats. Die Blondierung wird mit zwei Komponenten gemischt, zum einen ist es das Bleichmittel, dass es meistens als Pulver, aber auch in cremiger oder flüssiger Form gibt, und zum anderen ist es das Oxidationsmittel, der Wasserstoffperoxid (H2O2). Wasserstoffperoxid gibt es in verschiedenen Stärken. Im Friseurbereich wird in der Schweiz mit von 1.5% bis 12% starkem Wasserstoffperoxid gearbeitet. Zur Verständis: Blondierpräparat mit 1.5% H2O2 ist die tiefste und somit schonenste Wirkung und 12% H2O2 ist dann logischerweise die Stärkste Mischung. In das Thema könnte ich natürlich noch tiefer gehen, doch dann würde dieser Artikel wahrscheinlich nie enden und weit in den chemischen Prozess gehen, aber falls dich das Thema Chemie im Friseurbereich interessieren würde, lass es mich wissen. Also zurück zum Thema. Der Wasserstoffperoxid bestimmt bei Oxidativen Haarfarben ( Wie zum Beispiel die oben erwähnte Hellerfärbung) wie hell das Ergebnis werden kann, das heisst: einen hohen Prozentanteil an Wasserstoffperoxid z.B. 12% kann das Haar mit einer Hellerfärbung mehr aufhellen als z.B. 6%. Bei der Blondierung wird aber vielmals vergessen, dass dies bei der Blondierung nicht zutrifft. Oft wird ein möglichst hoher Prozentanteil von Wasserstoffperoxid gewählt als nötig, und was da die Folgen sind, erklär ich dir gleich. Um dir dies noch besser zu erklären, will ich dir zuerst den Farbprozess, den das Haar bei einer Blondierung durch macht aufzeigen. Denn so schön es auch wäre, eine Blondierung kann man nicht einfach auftragen und dann wird es Blond. Grund dafür ist, dass für eine Blondierung nicht Farbpigmente ins Haar gelagert werden, sondern das Präparat die vorhandenen Pigmente im Haar zerstören muss, damit das Haar heller wird. Bei Haarfarben spricht man immer von Farbtiefe und Farbrichtung. Die Farbtiefe bestimmt wie dunkel das Haar ist und die Farbrichtung, wie schon erwähnt, bestimmt welchen Farbton das Haar hat, sprich: rot, asch, gold etc. Die Blondierung entfernt immer als erstes die Farbtiefe und danach erst den Farbton. Um sich das besser vorstellen zu können ein kleines Beispiel: Ist die Haarfarbe dunkelbraun mit roten Schimmer, wird als erstes der dunkle braune Farbton heller gemacht und erst danach den roten Schimmer entfernt. Hier kommen wir zum nächsten Grund wieso viele beim Selbstexperiment scheitern, und zwar: das zufrüh ausspühlen. Ein oranger Ton entsteht hauptsächlich dann, weil die Blondierung zu früh ausgespühlt wurde. Weil die Farbtiefe, in diesem Beispiel das Braun, zwar schon entfernt wurde, jedoch das Rot noch nicht. Und jetzt kommen wir endlich zur Folge vom zu hoch gewählten Wasserstoffperoxid für dein Haar. Denn manchmal kann man gar nicht anders, als ausspühlen, weil man eine Entscheidung treffen muss zwischen unerwünschtem Orange oder Haarbruch, und daran ist oftmals der hohe Wasserszoffperoxidanteil schuld. Ein zu hoher Anteil an Wasserstoffperoxid für dein Haar wirkt zwar schnell, kann jedoch dazu führen, dass das Aufhellen der Farbrichtung ( in diesem Beispiel die Farbe rot) übersprungen wird. Das Haar wird zwar sehr schnell hell, muss aber bald ausgespühlt werden, damit kein Haarbruch entsteht und hat somit keine Zeit mehr den unerwünsten Gelbstich, Rotstich oder Grünstich zu korrigieren. So dies sind so die hauptsächlichen Chemiegründe, wieso eine unerwünschte Farbe beim Blondieren entstehen kann. Der letzte Grund den ich dir verraten will , der nichts mit Chemie zu tun hat, ist die Auftragetechnik. Da die Konsistenz von einem Blondierpräparat eher etwas zäh ist, ist es besonders als Ansatzblondierung nicht das einfachste zum Auftragen, keine Farbe muss so genau aufgetragen werden wie eine Blondierung, denn im Endergebnis sieht man jeden kleinsten Fleck der übersehen wurde, ebenfalls sieht man an teils Stellen wenn die Farbe ungleichmässig oder zu langsam aufgetragen wurde. Zudem muss möglichst viel Produkt verwendet werden, damit die Blondierung nicht austrocknet, denn das würde Bedeuten, dass sie nicht mehr wirken kann und somit würde der Aufhellungsprozess stoppen und da wo die Blondierung ausgetrocknet ist nicht das gewünschte Ergebnis erzielen.

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Nach dieser schweren Coiffeur-Theorie-Lektion kann ich dir nun genauer aufzeigen, wieso du auf einen Selbstversuch mit Blondierung Zuhause verzichten solltest.
Zum einen ist es so, dass die meisten Blondierungen in Supermärkten einen hohen Prozentanteil an Wasserstoffperoxid enthalten, was dein Haar sehr schädigen kann und mit höchster Wahrscheinlichkeit einen unerwünschten Farbstich bekommen wirst. Als anderer Grund, Zuhause die Finger von der Blondierung zu lassen, ist das Problem mit dem Auftragen. Je nach Ausgangsfarbe und Farbwunsch muss beim Auftragen der Blondierung anders vorgegangen werden und ich kann dir nur ein Lied davon singen, wie mühsam es sogar für einen Friseur ist, sich am Ansatz die Blondierung selbst aufzutragen – Finger weg davon! Das Resultat von einer ungleich aufgetragener Blondierung ist nämlich folgendes: du siehst aus wie ein “gschäggetes Pony”, sprich, du hast überall unschöne Farbflecken im Haar.

Der Satz “Probieren geht über Studieren” stimmt leider nicht immer. Wenn du aber vom “Probieren” doch nicht die Finger lassen kannst, dann schaue doch wenigstens, dass du gleich am nächsten Tag zum Friseur kannst, der dir dein misslungenes Farbergebnis irgendwie wieder rettet. Denn zu 99.9% aller Fälle ist ein anschliessender Friseurbesuch unumgänglich, also wieso nicht gleich ein Besuch beim Friseur mit den Worten “ich möchte blondes Haar” abstatten? Deine Haarpracht und auch dein Portemonnaie wird es dir danken.

Deine aus-missglückten-Selbstversuchen-mit-Erfahrung-sprechende-Haarexpertin Fabienne

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