Trick or treat – das Grauen vor der Tür

Eigentlich war es ein ganz normaler Donnerstagabend. Zuhause machte ich es mir auf dem Sofa gemütlich, checkte noch rasch die neusten Posts auf Instagram ab und startete Netflix, um mir einen Film für den Abend auszusuchen.

Als ich mich endlich für einen Film entscheiden konnte, kuschelte ich mich in die flauschige Sternendecke, die mir eine Freundin geschenkt hat, und startete den  Film. 

Doch kurz vor elf Uhr abends hörte ich plötzlich ein komisches Rascheln. Ich war mir nicht ganz sicher, ob dieses Rascheln wirklich nicht aus dem Fernseher stammte, also stoppte ich den Film, richtete mich auf und lauschte noch einmal. Ganz klar! Das Geräusch kommt von draussen! Ich redete mir ein, dass es wahrscheinlich einfach eine Katze oder irgendwas ähnliches sei, und legte mich wieder hin. 

Doch das Rascheln wurde immer lauter. Noch einmal hörte ich ganz genau hin, und da wurde mir klar; das knisternde Geräusch kam vom Garten. 

Allmählich fing ich an mir Szenen auszumalen, von wo das Geräusch stammen könnte. Vielleicht ein wildes Tier vom Wald in der Nähe? Oder irgendwelche betrunkene Gäste von der Bar zwei Strassen weiter? Oder sogar ein Einbrecher, der sich erkundigt?! 

KABUSCH! Schepperte es laut, und das misteriöse Rascheln verschwand. Erschrocken stand ich auf, hebte zögernd den Vorhang beim Fenster welches Richtung Hausplatz zeigt und blickte hinaus. – Nichts. Weder ein Schatten noch ein kleines Funken,- es war alles einfach so wie immer.

Auch wenn es mir etwas unheimlich vorkam, beschloss ich aus Neugierde trotzdem draussen im Garten nachzusehen. Entschlossen lief ich das Treppenhaus hinunter zur Haustür. Diese öffnete ich und als ich mich gegen draussen vorbeugte, um besser hinaus zu sehen, ohne schmutzige Socken zu kriegen, sah ich wie ein grosser dunkler Schatten um die Hausecke huschte. Ich drehte mich um, knallte die Tür zu, rannte zurück in das Wohnzimmer und setzte mich dort keuchend auf das Sofa. “Wer oder was war das?” , fragte ich mich, während dem ich meine rechte Hand betrachtete, mit der ich immernoch den Hausschlüssel fest umklammert hielt. Als ich meine Hand öffnete schoss mir die nächste Frage durch den Kopf: ” Habe ich die Haustür abgeschlossen?!” Fluchtartig sprang ich auf und stürmte wieder zur Haustür. Bei den letzten paar Stufen blieb ich mit aufgerissenen Augen stehen; die Tür stand sperrangelweit offen. Eiskalt lief es mir den Rücken hinunter, während dem ich regungslos aus der Tür in die Dunkelheit starrte. 

Plötzlich hörte ich ein leises Kichern, welches eindeutig von draussen kam. 

Auf eine unerklärliche Weise hatte ich das Bedürfnis, dem misteriösem Kichern zu folgen. Ich packte meine Turnschuhe und versuchte so unbemerkbar wie möglich nach draussen zu schleichen. Mit dem Rücken zur Hauswand probierte ich um das Haus zu gehen. Plötzlich prallte irgendetwas neben mir mit voller Wucht an die Wand und darauf folgte ein verschwindendes Kichern.

Erschrocken zündete ich mit meiner Handytaschenlampe an den Boden. Es war ein etwa faustgrosser Stein, mit irgendwelchen eingeritzten Kritzeleien. 

Noch bevor ich den Stein genauer betrachten konnte, bemerte ich wie hinter mir ein Kieselstein an die Wand schoss. Auf einmal wurden es immer mehr Steine und das Kichern kam immer näher, und näher. Ich rannte so schnell ich konnte wieder zurück zur Haustür. Nervös versuchte ich die Tür zu öffnen, aber es ging einfach nicht! Der Schlüssel liess sich einfach nicht drehen. Als ich mich dann umdrehen wollte, um zur Hintertür zu rennen, packte mich etwas an der Schulter. Ich spürte eine eiskalte Hand auf meiner rechten Schulter und ein keuchender Atem im Nacken. Eine Trähne lief mir vor Angst über die Wangen. Ich konnte mich weder bewegen noch konnte ich schreien. Völlig erstarrt blickte ich gegen die Haustür. Zitternd drehte ich meinen Kopf so langsam wie möglich auf die rechte Seite, um das Gesicht des Angreiffers zu sehen. 

In diesem Moment fing ich an so laut zu schreien, wie ich nur konnte und erwachte  völlig verschwitzt auf meinem Sofa. Ich rieb mir die Augen, atmete erleichtert aus und dachte: ” Oh Gottseidank! Es war nur ein Traum!”

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Doch kaum richtere ich mich auf, um ins Bett zu gehen, klingelte es an der Tür. Verwirrt schaute ich auf die Uhr an der Wohnzimmerwand, deren Zeiger schon halb zwölf Uhr zeigten, und fragte mich, wer um diese Uhrzeit noch bei mir klingeln würde?

Stufe für Stufe schlich ich langsam das Treppenhaus hinunter, bis ich vor der Haustür stand. Ohne viel zu überlegen packte ich den Besen, der noch immer an der Wand neben der Haustür anlehnte, weil ich ihn am Vortag vergessen hab wegzuräumen, als ich das Treppenhaus fegte. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel sicherer ich mich gefühlt habe, als ich den Besenstiel in der Hand hielt. Es gab mir das Gefühl mich wenigstens ein bisschen verteidigen zu können, wenn ich auf irgend eine Weise angegriffen werden könnte. Auch wenn meine einzige Waffe ein harmloser Besen war.

Zitternd näherte ich mich der Tür. Mein Herz schien immer schneller zu schlagen und das Atmen fiel mir immer schwerer. Ich schliesste kurz die Augen, holte tief Luft und nahm allen Mut zusammen, um mit der anderen Hand zum Schlüssel zu greifen, der wie immer in der Tür steckte. Langsam drehte ich den Schlüssel, bis ich das leise knacken des Schlosses hörte. Vorsichtig öffnete ich die Haustür einen kleinen Spalt, so dass ich gerade so mit der Hälfte meines Gesichts heraus schauen konnte und als ich sah, was vor meiner Türmatte stand, hielt ich den Atem an…

Vor mir standen drei kleine, verkleidete Kinder mit selbstgebastelten Körbchen in der Hand, sahen zu mir hoch und schrieen mir direkt ins Gesicht: 

SÜSSES ODER SAURES?!!

Eure erstmalige-Gruselgeschichtenschreiberin-aber-Happy-Halloween-wünschende Fabienne

Ps: Mein Tipp an euch: Falls ihr Halloweenfotos von machen wollt, besorgt euch einen Fotografen. Denn entweder der Selbstauslöser der Kamera lässt euch als Geist erscheinen oder eine überstellige Katze lauert hinter dem Vorhang auf euch…

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